Peter Koch †

„Retorica: Ordnungen und Brüche“, so lautete das Motto des Deutschen Italianistentags 2004. Er fand, wie das oft so ist, an der Heimatuniversität des Ersten Vorsitzenden statt, in Tübingen. Das Rahmenthema ‚Rhetorik‘ lag damit quasi auf der Hand, denn nur in Tübingen gibt es ein Fach „Allgemeine Rhetorik“ und „in keiner Disziplin dürften die Kontaktflächen zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft offenkundiger sein als in der Rhetorik“ – so hat es Peter Koch in seinem Geleitwort zu den Tübinger Tagungsakten formuliert und gleichzeitig deutlich gemacht, dass es „keineswegs nur um das Nachzeichnen bruchloser Traditionen, sondern gerade auch um die Interpretation von Widerständen, Konflikten und das Entstehen neuer Ordnungen“ gehen sollte.

 

Was Peter Koch mit Blick auf die Erträge der Tagung formuliert hat, lässt sich unmittelbar auch auf ihn selbst beziehen: Rhetorik und die „Kontaktflächen zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft“ gehörten immer zu den inhaltlichen Kristallisationspunkten seiner vielfältigen Forschungsinteressen und -tätigkeiten, und wenn seine wissenschaftliche Praxis durch das konsequente Aufdecken von Brüchen und Konflikten geprägt ist, dann immer nur im Verbund mit dem Vorschlag neuer Ordnungen – von denen viele rasch zu Klassikern avanciert und aus der romanistisch-sprachwissenschaftlichen Forschung nicht mehr wegzudenken sind.

 

Zum Alltag eines Wissenschaftlers gehört freilich noch manch anderes, das gerne in der harmlosen Formulierung „Mitwirkung in der akademischen Selbstverwaltung“ daherkommt. Wie nur wenige andere hat sich Peter Koch auch solchen Herausforderungen immer gestellt und Verantwortung übernommen – einmal mehr (Un)Ordnungen erkennend und, gerade als Vorsitzender des Deutschen Italianistenverbandes – Fachverband Italienisch in Wissenschaft und Unterricht (2001-2004), systematisch Tradition und Innovation verbindend, mögliche Kontaktflächen auf den verschiedensten Ebenen immer fest im Blick.

 

Vor nicht allzu langer Zeit ist Peter Koch mit einem Band bedacht worden, der ebenso „den scharfsinnigen Diskussionspartner, den originellen Denker“ und den „inspirierenden Lehrer“ wie „den verantwortungsvollen, menschlichen und freundlichen Begleiter“, kurz „den Freund“ ehrt, und einmal mehr dürfte es nur wenige geben, bei denen sich fachliche Brillanz, didaktisches Geschick und, insbesondere, Menschlichkeit in einem solchen Maß verbunden haben – eine in jedem Sinne des Wortes felice coincidenza.

 

Seit Beginn seines Studiums 1969 ist Peter Koch der Romanistik (und Latinistik) verpflichtet gewesen: Sein Weg hat den gebürtigen Hannoveraner als Studenten über Göttingen und Poitiers nach Freiburg geführt, wo er 1979 mit der (1981 publizierten) Arbeit Verb – Valenz – Verfügung promoviert wurde; dort hat er sich 1987 auch habilitiert hat zum Thema Distanz im Dictamen. Nach Professuren in Mainz und an der FU Berlin trat er 1996 die Nachfolge von Hans-Helmut Christmann in Tübingen an, wo er – von Gastprofessuren in Neapel, Paris und Lyon abgesehen – seither gewirkt hat. Natura non facit saltus heißt es, und dennoch: Am 7. Juli ist eine Ordnung zu Bruch gegangen.

 

(Ludwig Fesenmeier)

 

 

Der Deutsche Italianistenverband – Fachverband Italienisch in Wissenschaft und Unterricht e.V.

... vertritt ein weites Konzept der Italianistik, das sprachwissenschaftliche, literaturwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche und didaktische Ansätze integriert. Er steht allen offen, die vom Gymnasium bis zur Universität und darüber hinaus an der in der Satzung formulierten Zielsetzung mitwirken wollen, "die italienische Sprache, Literatur und Kultur in Forschung und Lehre zu fördern, zu ihrer Verbreitung im deutschen Sprachraum beizutragen und die institutionellen Interessen der Italianistik wahrzunehmen". (Satzung § 2).

 

"Mitglied kann werden, wer im Sinne der Zielsetzung des Verbandes in Forschung und Lehre, Beruf und Studium tätig ist" (Satzung § 3). Als Vereinigung der Italianistinnen und Italianisten des deutschen Sprachraums zählt der Verband derzeit rund 500 Mitglieder.

 

Der Deutsche Italianistenverband – Fachverband Italienisch für Wissenschaft und Unterricht e.V. wurde am 16. Oktober 1999 auf dem Italianistentag in Eichstätt gegründet. Zuvor hatten die Mitgliederversammlungen des Deutschen Italianistenverbands und des Fachverbands Italienisch in Wissenschaft und Unterricht dem Zusammenschluß beider Verbände zugestimmt.

 

Aktuelles der letzten Monate:

Mai 2014

  • 23./24.5.2014: 2° Convegno interannuale della Società di Linguistica Italiana: Teorie e approcci usage-based in linguistica an der Freien Universität Bozen (weitere Informationen)

April 2014

  • Giornata di studi "Etica e letteratura della Grande Guerra. Rappresentazioni della crisi" (Frankfurt, 28.4.2014; weitere Informationen)
  • Giornata dell’Italianistica nelle università tedesche – Tagung zum Status der Italianistik an deutschen Universitäten (Berlin, 29.4.2014; weitere Informationen)

 

März 2014

  • Deutscher Italianistentag "Relazioni e relativi - Genealogie, famiglie, parentele" (Erlangen, 20.-22.3.2014; weitere Informationen)

Aktuelles

  • 13./14.6.2014: Studientag Dante intermedial - Die Divina Commedia in Literatur und Medien an der Universität Würzburg (weitere Informationen)
  • 17.-19.6.2014: Dialogo italo-tedesco: 'Il corpo e l'anima dell'arte' - L'opera letteraria di Camillo Boito in dialogo con le arti - CfP per dottorandi e postdottorandi (weitere Informationen)
  • 26./27.6.2014: Graduiertenworkshop Italianistik im kulturwissenschaftlichen Kontext an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (weitere Informationen)
  • 26./27.6.2014: Tagung L'ordine dei costituenti in italiano e in prospettiva contrastiva an der Universität Basel (weitere Informationen)
  • 29.9.2014: Tagung Epistolari italiani e latini dal Due al Seicento: modelli, temi, esperienze ecdotiche in Gargnano del Garda (weitere Informationen)
  • 13.-15.11.2014: Doktorandenworkshop Neue Tendenzen der Italienforschung zu Mittelalter und Renaissance am Kunsthistorischen Institut in Florenz (weitere Informationen)
  • 26.-28.3.2015: Tagung Late-Medieval and Early Modern Italian Poetics and the Invention of Modern Drama (1450-1700) in Berlin (weitere Informationen)

Weitere italianistische Meldungen hier.

Kulturinstitute

Italienische Kulturinstitute in Deutschland, Österreich und der Schweiz: hier

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